Lesedauer 3 Minuten Von Carolin Feth

Cybersecurity im Ruhrgebiet: Zwei Bühnen, eine gemeinsame Aufgabe

Wie lassen sich digitale Systeme nachhaltig absichern? Innerhalb von nur drei Tagen rückte die isits AG diese Frage aus zwei unterschiedlichen Perspektiven in den Mittelpunkt: beim Senkrechtstarter Award 2026 in Bochum und bei der Digitalen Woche Dortmund. In Bochum ging es um technologische Innovation und digitale Souveränität. In Dortmund stand der Mensch als entscheidender Faktor der Informationssicherheit im Fokus.

Cybersecurity ist keine rein technische Aufgabe. Sie entsteht im Zusammenspiel von Technologie, Prozessen, Organisation und den Menschen, die täglich mit digitalen Systemen arbeiten. Wie unterschiedlich diese Perspektiven aussehen können, haben zwei Veranstaltungen im September 2026 gezeigt.

Sonderpreis Cybersecurity beim Senkrechtstarter Award 2026

Am 15. September 2026 wurde das Starlight Express Theater in Bochum zur Bühne für innovative Geschäftsideen aus Nordrhein-Westfalen. Beim Senkrechtstarter Award 2026, dem Gründungswettbewerb der Wirtschaftsentwicklung Bochum, verlieh die isits AG erstmals den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis Cybersecurity.

Mit dem Preis werden Gründungsteams ausgezeichnet, deren Produkte oder Dienstleistungen zu einer sicheren digitalen Zukunft beitragen. Denn Cybersicherheit ist heute weit mehr als eine technische Zusatzfunktion. Sie ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass neue Technologien und digitale Geschäftsmodelle dauerhaft erfolgreich sein können.

Auch die Gästeliste zeigte die Relevanz der Veranstaltung für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen. Neben Bochums Oberbürgermeister war Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, eigens aus Düsseldorf angereist. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Gründung und Investment brachte der Abend unterschiedliche Perspektiven auf Innovation und Unternehmertum zusammen.

Warum Hardal den Sonderpreis Cybersecurity gewonnen hat

Der Sonderpreis Cybersecurity ging an das Bochumer Gründungsteam Hardal mit Julian Speith und Simon Klix vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre.

Hardal entwickelt eine Technologie, mit der sich elektronische Schaltungen automatisiert analysieren und besser verstehen lassen. Vereinfacht gesagt macht das Team sichtbar, was tatsächlich in einem Mikrochip steckt.

Das ist wichtig, weil Mikrochips heute nahezu überall verbaut sind: in Routern, Produktionsanlagen, Medizintechnik, Energienetzen und zahlreichen weiteren sicherheitskritischen Systemen. Gleichzeitig stammen viele dieser Komponenten aus internationalen Lieferketten, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen.

Mögliche Manipulationen, versteckte Funktionen oder Schwachstellen sind bei einem fertigen Chip von außen kaum zu erkennen. Genau hier setzt Hardal an. Die Technologie unterstützt dabei, extrahierte Schaltpläne zu untersuchen, Datenflüsse nachzuvollziehen und sicherheitsrelevante Funktionen zu identifizieren.

Die technologische Grundlage bildet HAL, ein quelloffenes Werkzeug für das Hardware Reverse Engineering. Es ist aus rund zehn Jahren Forschungsarbeit im Bochumer Cybersecurity-Ökosystem hervorgegangen und wurde bereits in wissenschaftlichen Publikationen, in der Lehre sowie in Trainings für Fachleute eingesetzt.

Damit adressiert Hardal eine zentrale Frage der digitalen Souveränität: Wie können Unternehmen und Behörden Hardware vertrauen, deren Entwicklung und Fertigung sie nicht vollständig kontrollieren?

Übergabe des Sonderpreises für Cyber Security durch die isits AG

Wissenschaftlichkeit, Innovation und Realisierbarkeit im Fokus

Die Entscheidung für Hardal fiel auf Grundlage einer Bewertungsmatrix. Besonderes Gewicht hatten dabei drei Kriterien:

  • die wissenschaftliche Fundierung der Technologie
  • der Innovationsgrad des Lösungsansatzes
  • die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit

Hardal überzeugte in allen drei Bereichen. Hinter der Idee stehen langjährige Forschungsarbeit, ein vorhandener Prototyp und umfassende Erfahrung in der Analyse von Hardware. Gleichzeitig besitzt der Ansatz ein klares Anwendungspotenzial für Behörden, Zertifizierungsstellen, Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Für die Jury war damit nicht nur die Idee entscheidend. Ausschlaggebend war die Verbindung aus wissenschaftlicher Substanz, einem konkreten Sicherheitsproblem und einer realistischen Perspektive für den praktischen Einsatz.

Von der Hardware zum Faktor Mensch

Nur zwei Tage später wechselte die Perspektive. Am 17. September 2026 stand bei der Digitalen Woche Dortmund, kurz #diwodo, nicht das Innenleben von Mikrochips, sondern das Verhalten von Menschen in digitalen Veränderungsprozessen im Mittelpunkt.

Unter dem Titel „IT-Psychologie: Zwischen Technologie und Mensch“ diskutierten Silvia Hildebrandt, Petra Rengshausen, Gründerin des Business Women Network, und Carolin Feth, Head of Marketing der isits AG, darüber, warum technische Lösungen allein nicht ausreichen.

Denn selbst die beste Sicherheitstechnologie bleibt wirkungslos, wenn Menschen sie nicht verstehen, nicht akzeptieren oder im Arbeitsalltag nicht sicher anwenden können.

Besucher der DiWoDo

Welche Rolle spielt IT-Psychologie für die Cybersecurity?

IT-Psychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen digitale Technologien wahrnehmen, bewerten und nutzen. Für die Cybersecurity ist diese Perspektive besonders relevant.

Neue Sicherheitssysteme verändern Abläufe, Zuständigkeiten und eingeübte Routinen. Werden Beschäftigte dabei nicht frühzeitig einbezogen, entstehen Unsicherheit, Ablehnung oder pragmatische Umgehungslösungen. Aus einer technisch sinnvollen Maßnahme kann so ein neues Sicherheitsrisiko werden.

In der Gesprächsrunde wurden vier zentrale Punkte deutlich:

  • Sicherheitsmaßnahmen benötigen Verständnis. Beschäftigte müssen nicht nur wissen, was sie tun sollen, sondern auch, warum eine Regel oder ein Prozess notwendig ist.
  • Kommunikation ist Teil der Sicherheitsstrategie. Komplexe technische Anforderungen müssen so übersetzt werden, dass sie im Arbeitsalltag nachvollziehbar und umsetzbar sind.
  • Sicherheitskultur entsteht durch Führung. Mitarbeitende orientieren sich daran, welchen Stellenwert Informationssicherheit in Entscheidungen und im täglichen Handeln tatsächlich besitzt.
  • Veränderung braucht Beteiligung. Wer Menschen frühzeitig einbindet, erhöht Akzeptanz, Verantwortungsbewusstsein und die nachhaltige Wirkung neuer Technologien.

Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb: Der Mensch ist nicht das Problem, das technisch kontrolliert werden muss. Er ist ein aktiver Teil der Lösung.

Was beide Veranstaltungen miteinander verbindet

Auf den ersten Blick könnten die beiden Termine kaum unterschiedlicher sein. In Bochum ging es um Schaltungsanalyse, Hardware Reverse Engineering und digitale Souveränität. In Dortmund standen Kommunikation, Akzeptanz und menschliches Verhalten im Mittelpunkt.

Tatsächlich stellten beide Veranstaltungen dieselbe Frage: Was müssen wir verstehen, damit digitale Systeme sicher funktionieren?

Bei Hardal geht es darum, die Blackbox Mikrochip zu öffnen und technische Strukturen nachvollziehbar zu machen. Die IT-Psychologie richtet den Blick auf Entscheidungsprozesse, Zusammenarbeit und Verhalten innerhalb von Organisationen.

Beide Perspektiven gehören zusammen. Technische Innovation schafft die notwendigen Werkzeuge. Menschen entscheiden darüber, wie diese Werkzeuge eingesetzt werden und ob daraus tatsächlich mehr Sicherheit entsteht.

Cybersecurity braucht Austausch und starke Netzwerke

Der Senkrechtstarter Award und die #diwodo haben gezeigt, wie viel Kompetenz im Ruhrgebiet vorhanden ist. Forschung, Unternehmen, Start-ups, Politik und Netzwerke arbeiten hier an unterschiedlichen Teilen derselben Aufgabe.

Als isits AG möchten wir diese Perspektiven zusammenbringen. Mit wissenschaftlich fundierter Weiterbildung, Fachkonferenzen, Veranstaltungen und einem starken Netzwerk schaffen wir Räume, in denen Wissen geteilt, neue Ideen entwickelt und Lösungen für reale Herausforderungen diskutiert werden.

Denn Cybersecurity entsteht dort, wo Menschen, Ideen und Kompetenz zusammenkommen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ):

Wer hat den Sonderpreis Cybersecurity beim Senkrechtstarter Award 2026 gewonnen?

Der Sonderpreis Cybersecurity ging an das Bochumer Gründungsteam Hardal. Das Team entwickelt eine Technologie zur automatisierten Analyse elektronischer Schaltungen und unterstützt damit die Überprüfung sicherheitskritischer Hardware.

Was ist Hardware Reverse Engineering?

Beim Hardware Reverse Engineering wird untersucht, wie ein elektronisches Bauteil oder ein Mikrochip aufgebaut ist und welche Funktionen darin enthalten sind. Ziel kann beispielsweise sein, Schwachstellen, Manipulationen oder unbekannte Funktionen zu erkennen.

Was hat IT-Psychologie mit Cybersecurity zu tun?

IT-Psychologie untersucht, wie Menschen mit digitalen Technologien umgehen. Für die Cybersecurity ist das wichtig, weil Sicherheitsmaßnahmen nur dann wirksam werden, wenn Beschäftigte sie verstehen, akzeptieren und im Arbeitsalltag richtig anwenden.